Spekulationsgewitter über der Ballenberg-Idylle

Das bekannte Freilichtmuseum Ballenberg kommt seit dem mysteriösen Blitzabgang von Geschäftsführerin Katrin Rieder nicht mehr aus den Schlagzeilen. Kein Wunder. Es handelt sich um ein Paradebeispiel dafür, wie eine Institution hausgemacht endlosen Spekulationen Vorschub leisten kann – und so die Angriffsfläche selbst in den eigenen Reihen vergrössert. Was können andere Institutionen daraus lernen?

Über den idyllischen Ballenberg ziehen seit Ende Juli dunkle Wolken: «Viel Spekulationen ums Freilichtmuseum Ballenberg». Wer mit einer solchen Schlagzeile konfrontiert ist, hat mit grösster Wahrscheinlichkeit zu wenig und zu wenig klar kommuniziert. Gerade bei grösseren, öffentlichen Institutionen ist es eine Illusion, in einer schwierigen Handlungs- und Kommunikationssituation zentrale Fragen offen zu lassen. Sich hinter einem „Stillschweigeabkommen“ zu verstecken, kann von Medien und Öffentlichkeit nicht nachvollzogen werden.

Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass die „Stiftung Freilichtmuseum Ballenberg“ organisatorisch ein spezielles Konstrukt ist. Da gibt es nebst der operativen Führung einen geschäftsleitenden Vorstand, daneben noch 13 weitere Vorstandsmitglieder – und etwa 75 (sic!) Stiftungsrätinnen und Stiftungsräte. Hinzu kommen fünf verschiedene Fördervereine. Auch bei Politikern aus allen Ecken der Schweiz ist das Freilichtmuseum bestens bekannt, weil die Regionen immer wieder Objekte zur Verfügung stellen. Die Zahl involvierter und potenzieller Stakeholder wirkt unübersichtlich hoch.

Das stellt besonders hohe Anforderungen an die Kommunikation. In guten Zeiten, um möglichen Konflikten frühzeitig zu begegnen und in schwierigen Zeiten, um eine Krise rasch zu bewältigen. In einer solchen Krisensituation befindet sich der Ballenberg seit der nach wie vor diffusen Trennung von der Geschäftsführerin. Bei einer derart breit abgestützten Institution wie dem Ballenberg sind Meinungsdifferenzen, insbesondere bezüglich strategischer Ausrichtung, absehbar. Umso wichtiger ist es, dass die Interessierten und Betroffenen bei wesentlichen Entscheiden rechtzeitig und kommunikativ adäquat „abgeholt“ werden. 

Das scheint im Fall der Trennung von Katrin Rieder nicht der Fall gewesen zu sein. Aus welchen Gründen, muss offen bleiben. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass nebst Politikern zahlreiche Exponenten medial in Erscheinung treten, aus welchen Motiven auch immer. Selbstredend hier ein Statement von Ballenberg-Stiftungsrat Matthias Aebischer im Journal B:

ImWie_weiter_nach_Katrin_Rieders_Abgang____Journal_B Fall des bei Besuchern und Touristen beliebten Ballenbergs verursacht die Kommunikationskrise nicht nur einen Imageschaden. Zwar steigern die Schlagzeilen dessen Bekanntheit und rufen das Ausflugsziel bei potenziellen Gästen in Erinnerung. Womöglich steigen kurzfristig sogar die Eintrittszahlen. Doch da seitens Stiftung ein Gesuch um Unterstützung durch Bundesgelder hängig ist, dürften die diesbezüglich gefragten Mitglieder des Nationalrats  hellhörig werden und besonders genau hinschauen. Der geschäftsleitende Ausschuss täte somit gut daran, rund um die Trennung von Katrin Rieder rasch Klarheit zu schaffen und alle offenen Fragen verständlich zu beantworten. Da bereits viel Geschirr zerschlagen ist, geht dies wohl kaum, ohne den einen oder anderen Fehler einzuräumen. Doch dann wäre der Weg frei, dass der Ballenberg wieder mit vertrauensbildenden News für Schlagzeilen sorgen kann. 

Institutionen können aus dem Fall Ballenberg insbesondere drei Dinge lernen:
1. In heiklen Situationen ist die interne Kommunikation elementar. Dazu gehört namentlich der Stiftungsrat.
2. Dieselbe Relevanz besitzt die Stakeholder-Kommunikation mit externen Interessengruppen.
3. Einmal mehr: Schweigen ist eine sehr riskante Strategie, wenn zu viele Fragen offen bleiben.

Auswahl weiterer Artikel zum Thema:
Katrin Rieder verlässt den Ballenberg (SRF, 29.7.2014)
Freilichtmuseum Ballenberg: Direktorin nach Eklat freigestellt (NZZ, 30.7.2014)
Ballenberg: Ex-Chefs mischten sich ein (Der Bund, 6.8.2014)
Viel Spekulation ums Freilichtmuseum Ballenberg (BZ, 8.8.2014)
Mit Absicht schwarzgemalt? (St. Galler Tagblatt, 9.8.2014)
Namhafte Forscher wollen Klarheit über Vorgänge im Ballenberg (Der Bund, 12.8.2014)
Ballenberg: Es knarrt im Gebälk (srf.ch, 13.8.2014)
Ballenberg-Präsident gesteht Fehler ein (Berner Zeitung, 14.8.2014)
Ballenberg-Stiftungsratspräsident relativiert Forderungen (Der Bund/Newsnet, 14.8.2014)
Doch nicht mehr Geld für den Ballenberg (Der Bund, 29.8.2014)

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2 thoughts on “Spekulationsgewitter über der Ballenberg-Idylle

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