Endlose Story: Christian Wulff und die Medien

Der deutsche Alt-Bundespräsident Christian Wulff kommt bis heute nicht mit den Medien klar. Dass ihn nun Presserat und Deutscher Journalistenverband in die Schranken weisen, hat er wiederum sich selber zuzuschreiben. 

Christian_Wulff__Presserat_hält_strengere_Regeln_für_unbegründet_-_SPIEGEL_ONLINEDie Frage freilich ist: Wie wirkt die Medienschelte in der breiten Bevölkerung? Stimmt deren Wahrnehmung mit jener der Medienschaffenden überein? Die Antwort könnte am besten die Meinungsforschung liefern. 

Fakt ist, Christian Wulff sah sich mit einer einzigartigen, lang anhaltenden Medienkampagne um mutmassliche Begünstigungen konfrontiert. In deren Verlauf hat er in verschiedenster Hinsicht ungeschickt agiert. Somit leistete er seiner Vorverurteilung, die letztlich zum Rücktritt führte, selber Vorschub. Daran änderte am Ende auch der Freispruch vom Vorteilsnahme-Vorwurf vor Gericht in Hannover nur noch wenig. Wenngleich der Freispruch einige Medien immerhin zu einem selbstkritischen Rückblick motivierte. 

Mit dem neuerlichen Interview in «Der Spiegel» zeigte Wulff jedoch erneut wenig mediales Fingerspitzengefühl – und provozierte konsequenterweise geharnischte Reaktionen. Nichts gelernt, kann man da nur sagen. Die Medien müssen sich im Fall Wulff durchaus kritische Fragen etwa bezüglich Verhältnismässigkeit und Unschuldsvermutung stellen. Doch es kann nicht der Direktbetroffene sein, der diese Diskussion anstösst. Das müsste von dritter Seite kommen. Christian Wulff selber täte gut daran, sein Verhalten deutlich selbstkritischer zu betrachten, Verständnis für die medialen Diskussionen zu zeigen. Dadurch könnte er die Diskussion geschickter in seine gewünschte Richtung beeinflussen. Doch dazu müsste er in der Lage sein, den schwierigen Schritt aus seinem (emotionalen) Schatten zu wagen und die eigene Situation mit der notwendigen Distanz zu betrachten.

Weiterführende Links:
DIE ZEIT: «Der Tanz mit dem Wulff» (Medienkritik vom 31.7.2014)

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