Kontroverse: Was darf ein Unternehmenssprecher privat twittern?

Was darf ein Mediensprecher privat twittern, ohne in einen öffentlichen Konflikt zu geraten? Mit dieser Frage sieht sich derzeit ein SBB-Sprecher konfrontiert. Dessen Beobachtungen zur Deutschen Bahn auf Twitter endeten in einer prominenten Story der Gratiszeitung «20 Minuten» und haben online eine kontroverse Debatte entfacht.

SBB Sprecher Christian Ginsig auf "20 Minuten"Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB und etliche ihrer Mitarbeitenden agieren im Vergleich zu anderen Unternehmen in sozialen Medien sehr offensiv. Das bietet viele Chancen, birgt aber ebenso Gefahren. Letztere werden in einer aktuellen Diskussion evident, die meinen ehemaligen Sprecherkollegen Christian Ginsig betrifft. Er twitterte auf einer Ferienreise über seine Beobachtungen bei der Deutschen Bahn. Nun fischen auf Twitter bekanntlich viele Journalisten nach potenziellen Stories. Prompt landeten die angeblich «fiesen Tweets» auf der Titelseite von «20 Minuten». Einmal mehr wird eine im Grunde irrelevante Begebenheit zu einem «Aufreger» aufgebauscht, wohl wissend dass dieser Klicks und kontroverse Kommentare auslöst. Hierfür ist die SBB ohnehin eine Garantin. Es gibt zig Menschen, die mit ihren Erfahrungen und (positiven oder negativen) Gefühlen zur Bahn aus dem Vollen schöpfen können. Wer weiss das besser, als eine typische Pendlerzeitung… Die Reaktionen reichen entsprechend von «recht hat er» bis «vor der eigenen Haustüre wischen». Auf Twitter selber erntet SBB-Sprecher Ginsig viel Zustimmung und Trost, wie die Antworten auf seinen heutigen Tweet zeigen. 

Nun kann man über viele Aspekte dieser «Story» streiten. Aus Sicht der Krisenkommunikation spannend ist die grundsätzliche Frage, wie angebracht oder wie geschickt es ist, sich als Unternehmenssprecher zu beruflich eng verwandten Themen zu äussern – selbst wenn Tweets grundsätzlich als «privat» deklariert werden. Der Beitrag in «20 Minuten» zeigt, dass dies mehr Risiko denn Chance ist. Unternehmenssprecher sind öffentliche Personen und stehen unter besonderer Beobachtung. Deshalb ist es schwierig geworden, auf öffentlichen Plattformen wie Twitter eine klare Trennung zwischen Privatem und Beruflichem zu ziehen. Im Fall eines Pressesprechers der Bahn erst recht, da er auf Twitter häufig mit Fragen zum eigenen Unternehmen konfrontiert wird und sich nach bestem Wissen und Gewissen dazu äussert. 

Das hat auch der SBB-Konzernchef bzw. dessen Social Media Team erkannt. SBB-Chef Andreas Meyer reagierte prompt mit einem Rüebli-und-Peitsche-Tweet:

6 thoughts on “Kontroverse: Was darf ein Unternehmenssprecher privat twittern?

  1. Pingback: Mid Week Reader 42 - Philip Büchler

  2. Pingback: 7 Tipps für die Twitter Strategie von Unternehmen | webpixelkonsum

  3. Dieses Thema ist wirklich sehr kontrovers. Sehr positiv finde ich die Antwort. Sie ist sowohl humorvoll als auch Grenzen zeigend mit Vertrauen in die Kompetenz des Unternehmenssprechers.

    Persönlich ein positives Parade-Beispiel für Unternehmen.

    Beste Grüße

    Ralph

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